Montag, 13. November 2017

Übrigens: Käfer = vochito!

Der VW-Käfer, irgendwie ein Kultobjekt. Wer kennt ihn nicht? 
In meiner Kindheit gab es ihn einfach überall, und meine erste Fahrzeugerfahrung nach Erwerb des Führerscheines sammelte ich mit dem VW-Käfer, der nebem dem VW-Bus unser Familienfahrzeug war und sogar von meinen Schwestern und mir bunt bemalt werden durfte, mit Blümchen, Augen und allerlei weiteren netten Details. Als die Produktion in den Siebzigerjahren in Deutschland eingestellt wurde, produzierte man den Käfer noch bis 2003 in Brasilien... und in Mexiko! (Dies ist unter anderem ein Grund, weswegen man in Mexiko, wenn man sagt, dass man Deutscher ist, oft gleich einen kleinen Vorschussbonus hat, während man als Gringo/Gringa (US-Amerikaner) durchaus kritischer gesehen wird!

Ich habe mit Freude all die zahlreich fahrenden Käfer (im mexikanischen Spanisch vocho oder vochito genannt) auf der Straße beobachtet, und manche Kindheitserinnerung kam wieder hoch. Neben Schrottlauben illustrer Art gibt es viele gut gepflegte und schöne Käfer zu sehen, sie gehören hier einfach noch ins tägliche Leben. Anbei eine kleine Auswahl Bilder dieses herzigen Autos :-)))

(von Jessica)














Sonntag, 12. November 2017

Irgendwie krass...

Ein Nachtbus bringt uns von Puerto Angel an der Pazifikküste in 12 Stunden in die Region Chiapas, unserer letzten Destination in Mexiko, wo wir nochmals einige Tage verbringen und Verschiedenes erkunden wollen. Als wir morgens um 8 Uhr in San Cristobal de las Casas ankommen, befinden wir uns auf 2100 Meter Höhe bei trockener Luft und sehr, sehr frischen 10 Grad! Waren wir nicht gerade noch in den Tropen??? Die heraufziehende Tageswärme geht auf etwa 20 Grad hoch, was wir schon als kühl empfinden. 

In San Cristobal sind wir wiederum in einer schönen alten Kolonialstadt, die so geputzt daherkommt wie keine der anderen zuvor. Aus dem Zapotekengebiet sind wir erneut im Mayagebiet, allerdings bei anderen indigenen Gruppen als auf Yucatan. Hier wird noch sehr viel traditionelle Kleidung getragen und auch verkauft, die Volksgruppen der Region haben sehr starke Traditionen bewahrt, zum Teil sprechen sie fast kein Spanisch. Auch die Armut fällt uns auf, es wird viel gebettelt, viele Indios scheinen sehr wenig zum Leben zu haben. Kinder laufen mit kleinen Bauchläden herum oder stehen mit am Stand. Wir marschieren kreuz und quer durch die Stadt und vor allem durch die farbenfrohen Märkte.
Abends aber fällt die Temperatur so schnell, dass wir lange Hosen und Fleecewesten auspacken, heißen Tee trinken und Suppe essen, gestern noch unvorstellbar - brrr!







Am nächsten Tag machen wir dann eine Tagestour, die uns 1600 Meter in die Ebene hinunterführt, wo es wieder so heiß ist, dass man kaum weiß, wohin mit sich. Allerdings ist es zur Abwechslung eine trockene Hitze!?
Und dann geht es so richtig los: Mit einem schnellen Motorboot fahren wir in den Canon de Sumidero, eine 42 km lange Schlucht mit über 1000 Meter aufragenden Felswänden. Dort treffen wir unter anderem auf spider monkeys (Klammeraffen), Krokodile und Geier. Tief in den Wäldern von Chiapas gibt es auch noch Jaguare und Pumas!





Abends zurück auf 2100 Meter ist es wieder fleecejackenkalt, und Ron beginnt zu niesen und zu schniefen. Diese extremen Wechsel der letzten 24 Stunden waren dann für die Schleimhäute doch zu viel. Mit heißer Zitrone und Rum hoffen wir auf schnelle Besserung, denn morgen geht es weiter nach Norden, erneut in den Dschungel. Irgendwie krass...

(von Jessica)

Donnerstag, 9. November 2017

Lost in paradise - Wunsch und Wirklichkeit

Nachdem wir während unserer Delphintour einige wunderschöne kleine Buchten vom Boot aus gesehen hatten, wollen wir eine davon zu Fuß besuchen und dort zu zweit einen netten Tag mit Picknick, Schwimmen und Robinson-Feeling verbringen. Ron sagt zwar immer, dass er nicht weiß, was er in kleinen Buchten soll, da wir es doch am Hausstrand auch schon so schön haben, aber kommt doch gutmütig meist mit zu den angesagten Unternehmungen.

Gesagt, getan. In glühender Hitze (34 Grad) und der mörderischen Sauna -Luftfeuchtigkeit machen wir uns tapfer auf den Weg und finden tatsächlich zur Playa Mina. Es sieht auf den ersten Blick so malerisch aus wie vom Boot, wären da nicht... zwei große Hunde, eine Art Boxer, die uns schon entgegengelaufen kommen (streunende Hunde gibt es viele in Mexiko) und scheinbar da unten in der Bucht wohnen. Sie sind, wie meist diese Art Hunde hier, friedlich und scheinen sich, ganz im Gegenteil zu uns, über Gesellschaft zu freuen.

Nachdem ich etwas lauter geworden bin und mit einem Stock gedroht habe, trollen sie sich, bleiben aber auf Sichtweite etwa 30 Meter entfernt im Schatten. Wir erkunden die Örtlichkeit und lassen uns unter einigen Kokospalmen nieder. Prompt liegt da miefender Hundedreck. Kurz vor Ankunft am Strand war ich bereits in einen Haufen hineingetreten. Nachdem ich die Köttel unter den Palmen mit Sand zugeschaufelt habe, wollen wir etwas später unser Picknick auspacken. Da haben wir natürlich prompt die vierbeinigen, sabbernden Gesellen wieder interessiert neben uns hocken. Mit dem Appetit ist das dann so eine Sache.

Na ja, man könnte doch wenigstens Schwimmen gehen. Beim nochmaligen Blick aufs Wasser stellen wir fest, dass da so einiges an Algen und seltsamem Schaum vor sich hin treibt. Als dann noch vier weitere Tagesbesucher anrücken und sich zum Picknick und Schwimmen begeben, haben wir das Gefühl, dass dieser Ort, so paradiesisch er daherkam, doch nicht das ist, was wir hier gerade wollen.
In noch immer glühender Hitze wandern wir 45 Minuten zurück zu unserem Hotel, duschen Hitze und Schweiß hinunter und fallen dann für eine Siesta im Ventilatorwind auf die Betten. Es muss ja nicht immer Robinson sein!


(von Jessica)

Mittwoch, 8. November 2017

Grosse Fische

Wir kommen am Strand an einigen Fischern vorbei, die riesige Doraden gefangen haben. Als sie unsere interessierten Blicke sehen, fordern sie uns fröhlich auf, doch einige Fotos zu machen, und drücken Ron zwei Prachtexemplare in die Hand!





Nach solch einem aufregendem Ereignis darf man dann in der nächsten Strandbar ruhig ein wenig chillen...


(von Jessica)

Dienstag, 7. November 2017

Kein Traum - Delfine in Sicht

Was für ein Tag!

Früh in der Dämmerung stehen wir auf, schon um 6.00 Uhr sind wir beim kleinen Fischerboot, mit dem auch die Ausfahrten zu den ablegenen Stränden angeboten werden. Das Boot wird ins Wasser geschoben, wir waten knietief mit hinein, springen dann ins Boot. Der starke Yamahamotor wird angeworfen, das leichte Vibrieren begleitet uns die gesamte Fahrt, und es geht aus der geschützten Bucht hinaus aufs offene Meer. Schon nach 15 Minuten sehen wir am östlichen Horizont die Sonne sich rötlich aus dem Wasser erheben; langsam genug, um die Bewegung gerade nicht zu sehen, doch so schnell, dass sie jeden Moment etwas mehr dem Wasser entsteigt.

Und plötzlich sehen wir aus dem bewegt  glitzernden Wasser bläulich schimmernd die Rücken von Delfinen auftauchen, erst noch in der Ferne, doch schnell näher kommend, umringen sie uns. Eine Schule von Delfinen, es müssen über Hundert Tiere sein; sie sind vor, hinter und neben uns. Unglaublich elegant gleiten sie schwerelos durch das Wasser, mal nur die Rückenflosse zeigend, dann wieder mit dem ganzen Körper aus dem Wasser springend. Wie Kinder, die einer Attraktion hinterherlaufen, begleiten sie das Boot, einige zeigen besondere Kunststücke, indem sie steil aus dem Wasser springen und sich um die eigene Achse drehend wieder kopfüber eintauchen. Irgendwann drehen wir bei, unsere Fahrt sollte in die entgegengesetzte Richtung gehen, und schauen den springenden Leibern nach, wie sie in der Ferne eins mit dem Wasser werden.






Schon lange träumen wir davon, Delfine im offenen Meer zu erleben; hier haben wir es kaum zu hoffen gewagt, da in der letzten Zeit keine gesichtet wurden. Es ist ein Naturschauspiel, das einfach Glücksgefühle auslöst.

Wir fahren wieder zur Küste, um dann auf dem Rückweg durch die kleinen Buchten zu schippern, die nur zu Fuß oder eben mit dem Boot zu erreichen sind. In der letzten legen wir an, bekommen Schnorchel und können selbstständig das kleine Korallenriff erkunden, das unter uns liegt. Nach der gründlichen Einführung und Begleitung des Schnorchelns in Puerto Morelos sind wir überrascht, wie unbekümmert es hier vor sich geht, das Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit scheint noch nicht so weit entwickelt.

Es ist hier auch das Zuhause vieler großer Meeresschildkröten (die sind seit 1990 geschützt, davor wurden sie 30 Jahre lang gejagt und wöchentlich Tausende von ihnen zu Leder und Konserven verarbeitet).
Auf der Rückfahrt treffen wir auf eine von ihnen, sie hebt ihren Kopf neugierig aus dem Wasser, lässt sich umkreisen und taucht erst ab, als wir ihr zu nahe kommen.

Nach einem kräftigen Frühstück fahren mit einem lokalen Taxi ins zehn Kilometer entfernte San Agustinillo, wo keine Felsen dem Strand vorgelagert sind, die Wellen daher ungebremst auflaufen. Zu bestimmten Jahreszeiten ist hier ein Surferparadies, wo Ritte durch den sich brechenden Wellentunnel möglich sind. Heute ist das Meer ruhiger, eher unseren Fähigkeiten entsprechend. Wir leihen uns Bodyboards, mit denen wir uns in die Wellen werfen, auf dem weichen, flach ins Wasser laufenden Sand weit hinauslaufen und schwimmen und manche schöne Welle erwischen, die uns bis an den Strand trägt.




Auf dem Weg nach Hause drehen wir noch eine Runde durch das Hippie - Hideout Zippolite, wo wir palmgedeckten Strandhütten (Cabanas), einigen FKKlern (der einzige Strand in Mexiko, wo das geduldet wird) und vielen Sandflöhen begegnen, wieder einmal viel zu dünnen Kaffee trinken und erfüllt in unser Hotel zurückkehren.

(von Ronald)

Montag, 6. November 2017

Adios Oaxaca und dann: Let's go south - auf zum Pazifik!

Ein paar Bilder von unserem urigen Hotel Cazomalli im ruhigen Stadtteil Xalotlaco in Oaxaca mit toller Dachterrasse:






Dann folgt mal wieder ein Tag voller neuer Eindrücke mit guided tour in die östlichen Hochtäler. Wir besuchen den dicksten und ältesten Baum Mexikos im Dorf Tule, ca. 1500 Jahre alt, unglaubliche 40 Meter Umfang, eine Zypressenart, fahren dann zu Hierve el Agua, einem Wasserfall aus Stalagmiten mit Sinterterrassen, ähnlich wie in Pamukkale in der Türkei, bestaunen die sich verändernde, trockene Landschaft mit immer mehr Kakteen, das Mexiko-Klischee schlechthin, besuchen die archäologische Zapotekenstätte Mitla, die besonders schöne Reliefs hat - jede dieser Stätten spricht für sich - danach zu traditionellen Teppichwebern und schließlich zu einer Meszalverkostung in einer Destillerie. Mezcal ist ein Agavenschnaps (die Allroundpflanze in Mexiko), der aus dem Herz der Pflanze nach einer Räucherzeit destilliert wird. Die mildere und bei uns bekanntere Form ist Tequila.








Am nächsten Tag nehmen wir früh einen Minibus, ein Tipp von wieder mal, wie so oft :-) sehr netten Mexikanern, mit denen wir im Gespräch waren, und der uns für wenig Geld in sechs Stunden durch die Berge nach Puerto Angel an der Pazifikküste bringt. Es ist ein ziemliches Geschaukel in vielen engen Kurven, Ron hat sicherheitshalber vorher eine Reisetablette genommen. Hinauf staunen wir über riesige Laubbäume und Pinien, Formate, die wir aus Europa nicht kennen. Dann geht es Richtung Pazifik hinab. Man hat den Eindruck, in die tropische dicke Luft förmlich hineinzufahren, und aus dem suptropischen Wald wird Regenwald, voller Bananenstauden, Kokospalmen, Luftwurzeln, Lianen... bei den Zwischenstopps überfällt uns die Luftfeuchtigkeit saunaartig. 
Und dann... der Pazifik. Unser Hotel liegt direkt am Strand. Wir springen erstmal ins Wasser, nehmen als Sundowner einen Mezcal auf unserem Balkon im 1. Stock, genießen den Blick auf die Bucht und lauschen der Pazifikbrandung, die uns, nur durchs Moskitogitter getrennt, bei sanfter Ventilatorbrise abends in den Schlaf wiegt.  In den nächsten Tagen wollen wir hier "Urlaub vom Urlaub" machen und ein bisschen relaxen nach den eindrucksreichen zwei Wochen seit unserem Abflug aus Europa. Geht's uns gut oder geht's uns gut?

(von Jessica)


Freitag, 3. November 2017

Raus aus der Stadt

Heute enden die Feiern zum dia de muertos und das große Aufräumen beginnt. Wie beim Abschmücken der Weihnachtsbäume werden die Altare abgeräumt und körbeweise Tagetes zu vorbeifahrenden Müllwagen gebracht.
Wir entschließen uns, noch zwei Tage in unserer schönen Unterkunft zu bleiben und die Umgebung der Stadt zu erkunden. Oaxaca liegt 1600 Meter hoch und ist von nicht allzu hohen Bergen umgeben. Das Klima hier unterscheidet sich deutlich von der Tropenfeuchte Yucatans. Tagsüber wird es auch um die 30 Grad heiß, doch abends kühlt es sich ab und nachts kann es fast schon kalt werden.


Der Rough Guide gibt uns wieder die entscheidenden Hinweise, um die Ausflüge zu planen. Bei Petro Martinez, einem Anbieter für ein- bis dreitägige Adventuretouren buchen wir einen Tagesausflug, für den wir schon beim Buchen hochwertige Mountainbikes samt Helm und Handschuhen angepasst bekommen.

Heute morgen holt uns der Tourbus um 8.30 Uhr vorm Hotel ab. Ein amerikanisches Paar steigt noch dazu und wir fahren nach Westen 10 Kilometer bergauf zum ersten Programmpunkt, der Besichtigung von Monte Alban, einer mächtigen antike Stätte (wieder ein Tempel, wie unser Freund Gerd sagen würde). Von dort oben überblicken wir das das gesamte Tal und schauen auf Oaxaca hinab. Wir sind nicht mehr im Mayaland, hier haben die Zapoteken eine Hochkultur begründet, deren Nachfahren als indigene Volksgruppe nach wie vor hier leben. Der Stolz auf die Vorfahren begegnete uns in Oaxaca schon mehrfach und auch bei der Besichtigung weisen uns die Andenkenverkäufer, die unter Bäumen sitzend einige wenige geschnitzte Masken und Figuren anbieten, auf die zapotekische Herkunft von sich und ihren Produkten hin.



Die Tempelstätte wurde ab 500 v.C. erbaut, also deutlich vor den Mayabauten. Eine mächtige Stadt wurde auf dem Berg erschaffen, die zu Blütezeiten bis zu 25.000 Einwohner hatte, aber nur mit Regenwasser und hauptsächlich aus dem Tal versorgt werden musste. Millionen Tonnen von Erde wurden bewegt, um die Terrassen anzulegen, auf die zahlreiche enorme Tempel und Pyramiden errichtet wurden. Vom Leben der Menschen und vom Zweck, dem die Bauwerke gedient haben, weiß man so wenig, und wir stehen fragend und bewundernd davor. Die Geschichte vom Menschen und seinen Tempeln ist schon besonders.





Zwei Stunden später sitzen wir auf unseren Bikes, unserem 18jährigem Guide Kaliman folgend, zuerst einmal die die Teerstraße in Serpentinen hinabfahrend, bis wir auf eine Sandpiste abbiegen. Wir sind äußerst gut betreut, denn hinter uns fährt Andres mit dem Wagen auf allen Wegstücken, die er mit dem Auto befahren kann. Bald sind wir im offenen hügeligen Gelände, dass mich stark an Spanien erinnert. Wir durchqueren kleine Wasserläufe, fahren an Maisfeldern, Schafherden und kleinen Waldstücken vorbei. Wir kommen durch kleine Dörfer, in denen Hunde friedlich im Schatten der Mauern dösen.

In einem dieser Dörfer halten wir bei einem Holzschnitzer, der uns die Geschichte seines Vaters erzählt. Der hat angefangen, fabelhafte bunte Tierwesen zu schnitzen und damit eine nun weithin bekannte Volkskunst zu kreieren. Zwei Dörfer weiter kehren wir in einem einfachen Comedor, einer kleinen Küche mit überdachtem Essplatz ein, wo wir ein einfaches, schmackhaftes mexikanisches Gericht, also Bohnen, Tortillas, Huhn mit der hiesigen, besonderen, mit der örtlichen Schokolade zubereiteten Soße serviert bekommen.

Unsere Fahrradtour endet hier, die Räder werden aufgeladen und Andres bringt uns zum Hotel zurück. Sehr daran gewöhnt, Tagesstrecken und Besichtigungen selbst zu erkunden, genießen wir den heutigen Service. Morgen geht es wieder mit einer organisierten Tour, leider ohne Fahrrad, in die Berge nach Osten.

(von Ronald)