Donnerstag, 2. November 2017

Dia de Muertos

Schon auf Yucatan warf die große, vielleicht größte mexikanische Fiesta durch Umzüge, Wettbewerbe und auch viele geschminkte Spaziergänger ihre Schatten voraus.

Wir reisen weiter nach von Ost- nach Südmexiko, per Inlandflug über Mexiko City (und ich freue mich mal wieder, wie gut alles klappt mit unserer Reise) nach Oaxaca, um die Festivitäten dort mitzuerleben.
Leider ist unser gebuchtes Hostel eine abgeranzte Bude, so dass wir nach einer Nacht auf Suche gehen und in einem anderen dann super unterkommen. Das kann halt auch mal passieren, und bisher war ja alles immer okay und gut.

Schon direkt nach Ankunft in der Stadt hören wir Trommeln und Gejohle, sehen erste Präsentationen mit viel Spektakel. Nach Einbruch der Nacht bricht dann der Wahnsinn aus: Marschkapellen mit Bläsern und Trommeln, ähnlich wie die Bandas in Spanien zum Moros-y-Cristianos-Fest, nur hier viel wilder, umgeben von Tänzern, die prächtig kostümiert und geschminkt sind, dich an der Hand mit in die Menge ziehen, herumwirbeln. Kracher, Böller, Feuerwerk, Hunderte, Tausende Menschen dichtgedrängt unterwegs, überall in der Stadt aufgebaute Bühnen für die kulturellen Angebote wie Theater, traditioneller und moderner Tanz, Lesungen, Konzerte unterschiedlichster Art. Dazu die mannshohen Skelette in männlicher oder weiblicher Form (Catrina ist der Name für die weibliche Gestalt) und überall Altäre mit Blumen, Kerzen, Esssen und Trinken für den familiären oder offiziellen Toten. Sowohl in den Höfen privater Häuser wie auch in Läden und  an öffentlichen Orten gibt es diese Altare. Überall wird das zur Fiesta gehörige "pan de muertos"- Totenbrot, ein süßes Hefebrot - verkauft, dazu Dulces - Süßigkeiten - in Totenkopfform.









Auf den Friedhöfen sitzen die Familien mit Essen, Trinken, Musik und Kerzen um das Familiengrab herum und plaudern, lachen, singen. Dazu die Wärme der Nacht, der intensive Weihrauchgeruch, der starke Duft der Marygold (Riesentagetes)... Über drei Tage geht diese Fiesta, deren Traditionen Unesco-Weltkulturerbe sind, und die nichts mit dem Halloween-Quatsch aus Nordamerika zu tun haben.
Wir stürzen uns ins Gewühl, aber auch in die Kulturdarbietungen, die Eindrücke überschlagen sich, es ist unglaublich, es ist toll, es macht Spaß, und nirgendwo haben wir das Gefühl,dass Kriminalität oder Gefahr um uns herum ist. Die Menschen feiern ausgelassen, aber nicht so, dass es beängstigend ist.






Ich selber habe keine Lust, mich zu schminken, gönne mir aber wenigstens eine Marygold ins Haar  :-)


(von Jessica)

Dia de Muertos, Impressionen II

















Dia de Muertos, Impressionen III

Einige der Musiker haben die ganze Nacht hindurch gespielt und sehen am nächsten Morgen - es ist der 3. Tag der Fiesta - auch entsprechend fertig aus. Der Trommler hat seine wundgespielten Hände inzwischen verbunden...










Nach einem weiteren ereignisreichen Tag hören wir abends auf dem Kirchplatz von Santo Domingo de Guzman - benannt nach dem Vater des Gründers des Dominikanerordens - das Symphonieorchester von Oaxaca, das natürlich standesgemäß weißgeschminkt aufspielt. Mit diesen Eindrücken beschließen wir das außergewöhnliche und irgendwie krasse Event des Dia de Muertos. 

(von Jessica und Ronald)

Mariachi - spielend und gespielt

Musik gehört in Mexiko einfach überall dazu. Hier sind zwei Mariachi zu sehen, die uns engagiert und schön im Restaurant aufgespielt haben. Am Tag danach haben wir beim Rundgang auf der Stadtmauer in Campeche im Wehrturm Requisiten eines Theaterstücks, das am Abend zuvor dort aufgeführt wurde, entdeckt, und Ron hat sich prompt erst als Mariachi, dann als Wallfahrer auf dem christlichen Leidensweg erprobt...



(von Jessica)


Mittwoch, 1. November 2017

Hacienda Yaxcopoil

Südlich von Mérida besichtigen wir die Hacienda Yaxcopoil. 
Sie ist seit ihrer Gründung vor 300 Jahren im Familienbesitz und hat Henequén, also Sisalgewinnung aus einer Agavenart (siehe Foto unten) betrieben. Bis zu 400 Arbeiter, hauptsächlich Maya-Sklaven, mussten hier den spanischen, später den mexikanischen Herren dienen. Die Sisalfasern wurden hauptsächlich für Seile gebraucht, vor allem für die Schiffahrt, aber z.B. auch für Matratzen und Säcke. In der Maschinenhalle steht noch die Sisalentfaserungsmaschine, deren Motor von der Firma Körtling/Hannover (!) geliefert wurde und bis 1984 hier im Betrieb war. 

Die Maya allerdings haben sich ab 1847 gegen die Kolonialherrschaft zur Wehr gesetzt. Der sogenannte Kastenkrieg dauerte 50 Jahre und hat 50% der Mayabevölkerung ausgelöscht. Dann gab es keine Sklaverei mehr auf Yucatan, und der Zuckerrohranbau wurde ganz abgeschafft. Sisal wurde nach und nach durch die Motorisierung der Schiffahrt und die Erfindung der synthetischen Fasern kaum noch gebraucht. Heute gibt es auf Yucatan nur noch eine einzige Sisalfarm.

Die meisten Haciendas wurden aufgegeben und verfielen, wenige zu Museen umgewandelt oder auch an Dorfgemeinden übertragen. Yaxcopoil hat einen verfallenen Charme bewahrt. Gemeinsam mit uns besichtigen vier ganz in Weiß gekleidete, gut situierte Mexikanerinnen mit ihrem Führer und Fahrer die Farm, und ich sehe durch diese stolzen, schönen Frauen hindurch den Glanz der alten Zeiten hindurch schimmern.







Wir fahren über große Schlaglöcher ( Ron schrieb schon davon) weiter zu unserer letzten Station auf Yucatan, nach Campeche, einem sympatischen kleinen Ort, der ebenfalls kolonialen Charme bewahrt hat.





(von Jessica)