Donnerstag, 2. November 2017

Dia de Muertos, Impressionen II

















Dia de Muertos, Impressionen III

Einige der Musiker haben die ganze Nacht hindurch gespielt und sehen am nächsten Morgen - es ist der 3. Tag der Fiesta - auch entsprechend fertig aus. Der Trommler hat seine wundgespielten Hände inzwischen verbunden...










Nach einem weiteren ereignisreichen Tag hören wir abends auf dem Kirchplatz von Santo Domingo de Guzman - benannt nach dem Vater des Gründers des Dominikanerordens - das Symphonieorchester von Oaxaca, das natürlich standesgemäß weißgeschminkt aufspielt. Mit diesen Eindrücken beschließen wir das außergewöhnliche und irgendwie krasse Event des Dia de Muertos. 

(von Jessica und Ronald)

Mariachi - spielend und gespielt

Musik gehört in Mexiko einfach überall dazu. Hier sind zwei Mariachi zu sehen, die uns engagiert und schön im Restaurant aufgespielt haben. Am Tag danach haben wir beim Rundgang auf der Stadtmauer in Campeche im Wehrturm Requisiten eines Theaterstücks, das am Abend zuvor dort aufgeführt wurde, entdeckt, und Ron hat sich prompt erst als Mariachi, dann als Wallfahrer auf dem christlichen Leidensweg erprobt...



(von Jessica)


Mittwoch, 1. November 2017

Hacienda Yaxcopoil

Südlich von Mérida besichtigen wir die Hacienda Yaxcopoil. 
Sie ist seit ihrer Gründung vor 300 Jahren im Familienbesitz und hat Henequén, also Sisalgewinnung aus einer Agavenart (siehe Foto unten) betrieben. Bis zu 400 Arbeiter, hauptsächlich Maya-Sklaven, mussten hier den spanischen, später den mexikanischen Herren dienen. Die Sisalfasern wurden hauptsächlich für Seile gebraucht, vor allem für die Schiffahrt, aber z.B. auch für Matratzen und Säcke. In der Maschinenhalle steht noch die Sisalentfaserungsmaschine, deren Motor von der Firma Körtling/Hannover (!) geliefert wurde und bis 1984 hier im Betrieb war. 

Die Maya allerdings haben sich ab 1847 gegen die Kolonialherrschaft zur Wehr gesetzt. Der sogenannte Kastenkrieg dauerte 50 Jahre und hat 50% der Mayabevölkerung ausgelöscht. Dann gab es keine Sklaverei mehr auf Yucatan, und der Zuckerrohranbau wurde ganz abgeschafft. Sisal wurde nach und nach durch die Motorisierung der Schiffahrt und die Erfindung der synthetischen Fasern kaum noch gebraucht. Heute gibt es auf Yucatan nur noch eine einzige Sisalfarm.

Die meisten Haciendas wurden aufgegeben und verfielen, wenige zu Museen umgewandelt oder auch an Dorfgemeinden übertragen. Yaxcopoil hat einen verfallenen Charme bewahrt. Gemeinsam mit uns besichtigen vier ganz in Weiß gekleidete, gut situierte Mexikanerinnen mit ihrem Führer und Fahrer die Farm, und ich sehe durch diese stolzen, schönen Frauen hindurch den Glanz der alten Zeiten hindurch schimmern.







Wir fahren über große Schlaglöcher ( Ron schrieb schon davon) weiter zu unserer letzten Station auf Yucatan, nach Campeche, einem sympatischen kleinen Ort, der ebenfalls kolonialen Charme bewahrt hat.





(von Jessica)


Dienstag, 31. Oktober 2017

Großstadtverkehr (Mérida)

Der 15minütige Fußweg am Morgen vom Hotel zu der in unserem fast allwissenden Reiseführer beschriebenen Autovermietung, wo ich versuchen will, ein Auto für den nächsten Tag zu bekommen, um den Besuch von Uxmal, einer weiteren, etwas abseits vom Wege gelegenen Mayastätte zu besuchen, wird zu einer Offenbarung mexikanischen Stadtlebens.
Dazu trägt vor allem die für uns ungewöhnliche städtische Geographie Meridas bei, der Hauptstadt Yucatans mit immerhin 1,6 Millionen Einwohnern. Da die Bebauung kaum über zwei Stockwerke hinausgeht, ist die Fläche, die die Stadt einnimmt, gewaltig. Ein Teil des Platzes wird durch enge Straßen, die gerade zwei Autos nebeneinander Platz bieten, wieder eingespart.

Die Fußwege, die ich entlanglaufe sind weniger breit als meine ausgebreiteten Arme, die Häuserfronten dicht geschlossen und das menschliche Gewühl in alle Richtungen unvorstellbar. Das Ausweichen auf die Straßen ist nur für reaktionsschnelle Unerschrockene empfehlenswert, so bleibt nur, mitzuschieben, jede sich bietende Lücke zu nutzen und alle Sinne auf das Vorwärtskommen zu richten. Mein Größe verschafft mir dabei Vorteile, die ich gern nutze, denn einerseits überrage ich die durchschnittlichen Mexikaner um Kopfesgröße, die Frauen eher um das Doppelte, und andererseits ist eine Hemmschwelle der Einheimischen zu spüren, mich als erkennbar Fremden genauso in das Drängeln mit einzubeziehen.

Neben den vielen Geschäften und Bars, die sich hier in der Innenstadt in fast jedem Haus befinden, nutzen auch noch Straßenverkäufer mit Gebratenem, Gebackenem und allen anderen vorstellbaren Angeboten den mageren Platz, um ihre Waren anzupreisen. Auch viele Läden buhlen um Aufmerksamkeit, indem sie große Lautsprecher in den Eingang stellen und die Straße beschallen. Dazu macht der Lärm der Stadtbusse, die schon viele Jahrzehnte ihren Dienst tun und ungeheuer zahlreich durch die Straßen knattern, eine normale Unterhaltung fast unmöglich, so dass die Menschen darauf angewiesen sind, sich in großer Lautstärke zu unterhalten. Die entstehende Geräuschkulisse macht sich enorm pulssteigernd bemerkbar.

Das System der motororisierten Fortbewegung ist dagegen streng geregelt. Alle Straßen sind Einbahnstraßen, die zweispurig befahren werden dürfen, wenn nicht gerade haltende Lieferwagen oder Busse an einer Seite stehen, was häufig der Fall ist. Da die Straßenzüge exakt geometrisch im Schachbrettmuster angelegt sind, fällt die Übersicht leicht. Hinzu kommt der Umstand, dass auf Straßennamen zugunsten einer klaren Numerierung verzichtet wurde. Alle Nord- Süd verlaufenden Straßen haben gerade, alle Ost- West führenden haben ungerade Nummern. Immer abwechselnd sind die Straßen, die im Innenstadtbereich gepflastert und nicht asphaltiert sind, entweder in die eine oder in die andere Richtung befahrbar. Mit etwas Übung weiß man also, an welcher Stelle der Stadt man sich befindet, in welche Richtung man fahren und wohin man abbiegen darf.




Erschwert wird dies klare System durch fehlende Vorfahrtsregeln, was mir bei den ersten Versuchen nach geglücktem Fahrzeugerwerb schnell deutlich wird. Keine Straße hat Vorfahrt, an jeder Ecke, und davon gibt es viele, da die Straßenblöcke nur etwa 150 Meter lang sind, gilt es sich erneut zu verständigen. Als Neuling übe ich mich in Zurückhaltung und halte meinen Durchsetzungswillen im Zaum, da ich im Auto auch auf meinen Größenvorteil verzichten muss.

Einmal eingefahren, fängt die Herausforderung 'Autofahren in Merida' an, mir Spaß zu machen und ich finde es fast schade, jetzt den Stadtverkehr mit der Landstraße einzutauschen. Die großen Highways, auf denen wir dann unterwegs sind, sind in gutem Zustand, obwohl nicht mit unseren Autobahnen zu vergleichen. Oft ziehen sie sich, in der weiten Ferne zu einer schmalen silbrigen Linie verengt, schnurgerade durch den Urwald. Die kleine Landstraße, auf die wir abbiegen, hält dann aber durch unerwartete monumentale Schlaglöcher neue Proben bereithält.

Wir besuchen eine ehemalige Hazienda, deren kolonialer Charme noch zu spüren ist (darüber später mehr) und Uxmal, eine ebenso imposante Stätte der Maya wie Chichen Itza, deren Blütezeit im 10. Jahrhundert n.Chr. war, und die schon lange vor dem Eintreffen der ersten Spanier verlassen wurde. Viele der Gebäude und Pyramiden dürfen bestiegen werden, die großflächigen Reliefs sind teilweise sehr gut erhalten.




Von dort geht es nach Campeche, wo wir nun am Golf von Mexiko sind und das Meer uns deutlich rauher und aufgewühlter empfängt als die Karibik. Doch Baden ist hier kein Thema, da die Stadt zwar über eine Uferpromenade (die wie in Havanna Malecón - Uferstraße - heißt), aber über keinen Badestrand verfügt. Nach einem ersten Abendspaziergang durch die von hohen Mauern umgebene Altstadt freuen wir uns auf die bequemen Betten im Hostel.

(von Ronald)

Samstag, 28. Oktober 2017

Chichen Itza und Mérida

Wir gehen morgens zu Fuß vom Hostel nach Chichen Itza, eine der berühmtesten Maya-Tempelanlagen, und haben auch heute wieder den Wow-Effekt.

Der große Tempel ist derjenige, der in der Anzahl der Stufen den 365-tägigen Maya-Kalender architektonisch mit eingebaut hat, und es ist auch der Tempel, wo man zur Frühjahrs- und Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche durch Schattenwürfe der Treppenstufen per Lichteinfall den Eindruck bekommt, als ob der Schlangengott stufenweise zur Erde hinuntergleitet, ein Ereignis, das jährlich Tausende Besucher anzieht. Wir haben uns das nur auf youtube angeschaut, aber der Tempel und die weitläufige Anlage mit -zig Gebäuden (z.B. der riesig hohen Anlage für das Maya-Pelote, ein Ballspiel, bei dem der Vermutung nach die Verlierermannschaft getötet und geopfert wurde - schluck - und gleich daneben das Podium für die aufgepflockten abgeschlagenen Köpfe, wie auf den Relieftafeln deutlich zu sehen ist...) beeindrucken uns sehr.






Die bisherigen Mayastätten verkündeten das Image eines friedlichen Handelsvolkes, aber hier war das Zentrum der Macht, auch der militärisch-martialischen. Das hält die Leguane aber nicht davon ab, sich überall in Ruhe zu sonnen, und die Vögel mit ihren lauten, exotischen Rufen und ebenso der große Raubvogel, der über uns kreist, lassen sich weder durch frühere Mayamacht noch durch heutige Touristen stören
(falls jemand am Flugbild den Raubvogel erkennt, freuen wir uns über eine Mitteilung).




Auf dem Weg zum Bus kreuzen wir noch eine Blattschneiderameisen-Straße; auch so etwas, was man bei uns im Tropenhaus im Zoo bewundern kann.

Eine recht anstrengende, schaukelige Busfahrt führt uns weiter nach Mérida, wo wir ein Hostel im Kolonialstil mit vielen Frida-Kahlo- und Diego-Rivera-Drucken haben, es ist eher ein Hotel als ein Hostel, das aber Sonderangebote online hatte, von denen wir profitieren dürfen, was wir natürlich super gerne tun. Und da wir schnelles Internet haben, lade ich jetzt, bevor ich in den Pool springe, heute mal ein paar mehr Bilder für unsere lieben Leser :-) hoch.














(von Jessica)