Freitag, 6. April 2018

"Mare nostrum" - unser Meer

Wir sind inzwischen...  bereits in Süditalien! 

Unsere Fähre von Marokko geht eigentlich "nur" bis Barcelona, doch dann ergibt sich kurzfristig dort für denselben Abend eine direkte Weiterreise mit Grimaldi Lines von Barcelona nach Civitavecchia (Rom), und das zu einem so günstigen Last-Minute-Tarif,  dass wir uns kurzentschlossen aus- und auf dem nächsten Grimaldi-Dampfer wieder einschiffen, einen zweiten Tag auf See verbringen, uns bei tollem Wetter trotz etwas abgeranztem Schiff ein bisschen wie auf einer Kreuzfahrt fühlen und 51 Stunden nach Abfahrt in Marokko in Mittelitalien sind. Das ist mit dem Auto kaum zu toppen, vor allem auch kosten- und kraftmäßig! 
Abends gibt es tolle Pizza, und am nächsten Morgen schauen wir uns die Etrusker-Nekropole Tarquinia an, wieder eine starke kulturelle Begegnung, und nach einem kurzen Abstecher in Ostia Antigua machen wir uns auf dem Weg nach Pompeji, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen werden. Sonntag wollen wir dann von Bari/Süditalien nach Igoumenitsa oder Patras in Griechenland übersetzen.

Wir erleben indiesen Stunden auf See sehr intensiv das "Mare Nostrum", wie ja die Römer schon zum Mittelmeer sagten, Grimaldi Lines übrigens auch ihr Serviceheft betiteln. Wir sind begeistert, welche Abkürzungen über den mediterranen Seeweg möglich sind und wie viel Spaß es macht, Flora, Fauna, Landschaften, Waren, Sprachen, Menschen des Mittelmeerraumes zu erleben und miteinander zu vergleichen. Wir haben aus Spaß schon gesagt, dass unsere Ostreise eigentlich auch "Mare nostrum"  heißen müsste, denn wir lieben den Mittelmeerraum in Klima und Kultur ebenso wie viele Menschen vor und mit uns.




Letztes Foto unserer Marokkomannschaft: 
Valentin, Annika, Henrik, meine Wenigkeit und Ron


Wirklich kein Hundeleben, so mit Grimaldi auf hoher See :-)


links im Dunst Bonifacio/Korsika 
(2005 waren wir dort im Urlaub und standen auf der Klippe)


rechts Porto Torres/Sardinien, wo wir Zwischenhalt machen



...und dann versinkt auch Sardinien im Dunst,
 und weiter geht es nach Civitavecchia vor den Toren Roms!
Macht schon Spaß im "Mare nostrum"!

(von Jessica)

Donnerstag, 5. April 2018

Zum Schluss: Tetouan - und dann Abschied von Marokko

Auch dies eine Stadt in Nordmarokko, unser letzter Anlaufpunkt vor der Rückkehr nach Europa. Tetouan hat eine sehr andalusich geprägte Altstadt mit trotzdem urorientalischem Leben, was uns noch einmal sehr beeindruckt, da man so gar nicht angesprochen wird, die Menschen sehr freundlich sind, aber oft außer Arabisch oder Berberisch keine Fremdsprache verstehen. Da bleibt nur Zeichensprache. Als ich ein gackerndes, flügelschlagendes Huhn nachmache, um zu verdeutlichen, dass ich Eier möchte, muss ich selber lachen und sehe innerlich die schauspielerischen Kompetenzen des Waldorflehrers wieder einmal an die Oberfläche kommen. Macht doch Spaß, sich mit Händen und Füßen zu verständigen!

Und dann gehen unsere zwei Wochen in Marokko schon zu Ende. Am Ostersonntag abends sind wir dann zu fünft wieder vereint. Valentin, Henrik und Annika waren einige Tage auf eigene Faust unterwegs, und leider gab es für Valentin auch noch einen dreitägigen Krankenhausaufenthalt in Marrakesch wg. akuter, dramatischer Darmbeschwerden. Doch gottlob ging trotzdem (Intensivstation usw.!) alles noch gut aus, und wir sind glücklich, gemeinsam am Ostermontag von Tanger nach Barcelona ausreisen zu können.

Marokko – was für ein Land!
Afrika, Orient, Arabien, alles ist hier zu finden. Dazu kommt, dass das Land von Europa aus gut zu erreichen ist, mit dem eigenen Fahrzeug über Algeciras/Gibraltar ist man in 90 Minuten Fährüberfahrt drüben. Marokko bietet unglaublich vielgestaltige Landschaften, hat ein tolles Klima, ist eines der wenigen arabischen Länder, die als sichere Reiseländer bezeichnet werden können, und ist preislich gesehen einfach noch sehr günstig. Auch das Straßennetz ist weitreichend und der Zustand der Straßen oft recht gut. Weiterhin ist uns bei den dortigen Menschen sehr viel Freundlichkeit begegnet, und man spürt im ganzen Land den Aufbruch, sowohl wirtschaftlich wie auch von der Entwicklung der Menschen (Rechte der Frau, Bildungspolitik u.ä.) her. Natürlich muss man bedenken, dass man noch in einem Entwicklungsland, allenfalls in einem Land im Übergang zum Schwellenland ist, also keinesfalls europäische Standards erwarten darf, in welcher Hinsicht auch immer.
Doch wenn die Lust am Reisen, am Neuen und Fremden überwiegt und man die Welt in ihrer Vielgestalt, Schönheit und Exotik einfach ein Stück weiter kennenlernen möchte, dann trifft man mit Marokko auf jeden Fall eine sehr gute Wahl. (Übrigens ist dies auch bei französischen Rentnern in Wohnmobilen, die hier zuhauf überwintern, und Wohnmobilkolonnen aus aller Herren Länder Nordeuropas bekannt – von denen gibt es hier Scharen!). Marrakesch und Agadir haben durch die eigenen Flughäfen inzwischen ebenfalls eine feste Touristenklientel. Aber das Land ist ja riesig groß, und so tritt man sich nicht auf die Füße, im Gegenteil. Gerade südlich des Hohen Atlas ist die Landschaft so groß, so leer, so weit, dass man einfach tiefer atmet. Gern kommen wir wieder einmal hierher – Inschallah (so Gott will)!










Links ein letzter Blick auf Marokko


Geradeaus die Weite des Atlantiks


Und rechts die spanische Küste mit dem markanten Felsen von Gibraltar. 
Hiermit ein kleiner Gruß an Bernd aus Lensahn, der viele Jahre als Chief (Erster Ingenieur) zur See fuhr und die Meerenge von Gibraltar sicher gut kennt.

(von Jessica)

Montag, 2. April 2018

Chefchaoune

Chefchaoune - eine Stadt in Nordmarokko, die ab 1492 nach der Reconquista in Andalusien von aus Spanien flüchtenden Mauren geflutet wurde, später Piratennest war und bis 1920 für Christen verboten!
Der zauberhafte Ort präsentiert sich in vielen Blautönen, die angeblich die Mücken abhalten sollen. Die Medina ist zwar sehr touristisch, aber wunderschön.
Mal wieder: eine Augenweide. Was für eine Pracht!












Und auch wenn dies keine bunten Eier sind, so doch unverwechselbar bunte Farben, und damit allen Lesern sehr herzlich Frohe Ostern!

(von Jessica)

Sonntag, 1. April 2018

Orient pur, Version zwei: Fes

Auch dieser klangvolle Name hält, was er verspricht: Souks (Märkte) ohne Ende, und dies in so kleinen, engen, überdachten und dunklen Gässchen, dass man verloren geht, ob man will oder nicht. Hier passt kein Auto mehr hindurch, alles wird mit Handkarren geliefert.

Wir wollen vor allem zum alten Gerberviertel Sidi Moussa, dessen Arbeitsweise sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat und dessen Gerber in Schwerstarbeit die weltbekannten Lederwaren produzieren. Wir lassen uns ein wenig führen und bekommen einige Erklärungen: Erst werden die Häute in der Kalkbrühe in den weißen Becken eingelegt, so dass sie ihre Haare verlieren und weich werden, danach zum Trocknen aufgehängt und schließlich in noch anderen Becken gefärbt. Danach geht es ans Zuschneiden und Weiterverarbeiten zu Taschen, Schuhen, Sitzkissen und vielem mehr. Die Waren sind wunderschön, wie so vieles in den Souks eine wahre Augenweide in Farbe, Form und Kunstfertigkeit. Dazu die Berber in ihren Kaftanen mit Fez auf dem Kopf, die verschleierten Frauen, die andere Sprache.



Und doch ist Mittel- und Nordmarokko geologisch eher zu Europa als zu Afrika gehörig, sowohl klimatisch als auch von Boden und Gestein her. Erst südlich des Atlasgebirges befindet man sich „wirklich“ auf afrikanischem Boden, auf uraltem Gestein und im Steppen-und Wüstenklima. Dies haben wir in der Woche südlich des Atlas gründlich gespürt und waren davon sehr berührt, es war doch eine ganz neue Erfahrung.

Aber auch „der Rest“ des marokkanischen Lebens und Treibens ist nicht zu verachten, täglich voller Eindrücke, kleiner und großer Beobachtungen, die anregen, verwundern, auch mal befremden. Wie heißt es so schön: Andere Länder, andere Sitten. Nicht urteilen, sondern beobachten, vielleicht charakterisieren, versuchen zu verstehen, fragen, sprechen, erleben, und immer wieder sich daran freuen, in der Welt zu Gast zu sein.




Und Marokko, so islamisch es immer wieder daher kommt, gehört trotzdem zu den modernen und eben nicht islamistischen Ländern Arabiens. Dafür haben die Berber von Beginn an gesorgt, die nach der bereits sehr frühen Islamisierung ab 800 n.Chr. eine nicht so strenge Auslegung der Religion gelebt haben. Auch der derzeitige König Mohammed VI. hat einiges für die Weiterentwicklung seines Landes getan, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Bildungsbereich und in der Stärkung der Rechte der Frauen. Ebenso wird fanatischer Islamismus ziemlich bekämpft, ob Al-Quaida oder IS. Auch deswegen ist die Grenze zu Algerien seit vielen Jahren geschlossen. Man möchte keine Islamisten im Land und tut dafür auch einiges.


Schaf- und Ziegenherden mit ihren jungen oder alten Hirten - allgegenwärtig, 
sogar in der Stadt 


Tiermarkt, und immer wieder die riesigen Heu-LKW's


Leider ist es zurzeit mit Personenaufnahmen schwierig, da ich nicht richtig zoomen bzw. dies dann nicht übertragen kann, und alles andere geht nicht, da man die Leute nicht mal ebenso direkt fotographieren kann; das würden wir ja auch nicht wollen. Na, vielleicht komme ich irgendwann mit der Technik wieder klar. Bis dahin gibt es nicht ganz so tolle Bilder, aber sie veranschaulichen hoffentlich trotzdem dies und jenes. 

(von Jessica)

Volubilis - Oualali - Wunderschöne Mosaiken...

…aus der Römerzeit schauen wir uns in Volubilis (arabisch Oualali) an. Vor zwei Wochen sind wir bereits an der historischen Stätte vorbeigefahren, als wir auf dem Weg in die Sahara waren; nun nehmen wir uns Zeit für eine Besichtigung.

Volubilis war zur Zeit seiner Blüte ca. 150 n.Chr. sogar eine zeitlang Hauptstadt der westlichsten Provinz Roms, Mauretania Tingitana, mit dem Mittelmeerhafen Tanger als Umschlagpunkt für den Handel, wurde aber nach zahlreichen Berberangriffen schließlich als Hauptstadt aufgegeben und erfuhr im Laufe der Jahrhunderte viel Wechselvolles, sowohl Besetzungen wie auch einen 1000 Jahre langen Dornröschenschlaf und wurde erst vor gut 100 Jahren wiederentdeckt. Neben zahlreichen Fundstücken sind vor allem die Mosaikböden aus den Wohnhäusern wohlhabender Römer in großer Zahl gut erhalten, hier eine Auswahl der Prachtstücke.

















Und rundherum grünt und blüht es - man denkt, man ist im Allgäu (oder im Auenland :-) und nicht in Marokko!

(von Jessica)