Donnerstag, 11. Januar 2018

Trinidad, Highlight in Südkuba


Trinidad - alte Kolonialstadt in Sübkuba, Unesco-Weltkulturerbe seit 2008, angesagte Traveller-Location mit freundlichem "vibe". Zum Teil schön aufgeputzt, zum Teil sehr arm, sehr afrikanisch, sehr ungeschönt. Überall Live-Musik, in den Bars und Restaurants, vor allem aber auf dem Platz an der Kirchtreppe und in den Musikhäusern, "casa de la musica", "casa de la trova" u.a. Irgendwie viel zu oft hört man die Hits aus "Buena vista social club", der Touri-Köder schlechthin. Aber hier und da traditionelle Musik im Mariachi-Stil auf kubanisch, viel Son (Ursprung des Salsa), weichen Bossa Nova, Jazz und einfach überall gute Musiker. Wir hören gern zu und schwingen auch gern das Salsa-Tanzbein.



Bei so viel Rhythmus schaut sogar der Koch aus der Tür und schwingt Messer und Bräter im Takt.















10 Kilometer südlich ist das karibische Meer mit der Playa Ancon, wo neben karibisch weißem Zuckersand auch Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten sind, da das Korallenriff ganz nah ist. Wir gehen zunächst schnorcheln und sind wieder glücklich, an dieser bunten, farbenfrohen Unterwasserwelt ein wenig teilhaben zu dürfen.



Mit Leihfahrrädern für zwei Tage radeln wir unter anderem ins Valle de los Ingenios (auch dies Unesco-Weltkulturerbe) nach Manaca-Iznaga, wo wir eine Zucker-Hacienda besichtigen, mit Herrenhaus und 45 Meter hohem Turm, der zur Sklavenüberwachung diente. Die Sklavenhütten stehen zum Teil noch.
Erst seit 1870 ist die Sklaverei auf Kuba abgeschafft. Was wurden Menschen hier rücksichtslos in den Zuckerrohrplantagen geknechtet! Eingefangen in Afrika - in Cape Cost in Ghana haben wir vor acht Jahren an 'the door of no return', dem Verschiffungsplatz gestanden - gegen Werkzeuge und Glasperlen eingetauscht und als Handelsware in alle Teile Amerikas verschifft, viele davon auch hier nach Kuba. Geldgier, Macht, Unmenschlichkeit - immer wieder erschreckend. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei haben die Schwarzen hier weiter auf der untersten Stufe ihren Herren gedient, erst den spanischen Kolonialherren, später reichen US- Amerikanern, die sich in Kuba ein karibisches Las Vegas geschaffen haben. Fidel Castro mit seiner Revolution hat damit Schluss gemacht, die Amerikaner, die Mafia, die reichen kubanischen Landbesitzer des Landes verwiesen und Land und Besitztümer neu verteilt. Das hat neue Probleme geschaffen, doch der Feudalismus und mit ihm der Rassismus den Schwarzen gegenüber wurde weitgehend abgeschafft. Heute sind immer noch wenige Schwarze in den hohen Positionen, doch auf der Straße sind die Menschen mit ihren Hautfarben so gemischt, dass man bei vielen nicht mehr sagen kann, ob es sich um weiße Mulatten oder mulattische Weiße handelt.

Der frisch gepresste Zuckerrohrsaft auf der Plantage, der mit einer antiken Walze, heute von Touristen angetrieben, hergestellt wird, ist lecker, pur oder mit Rumanteil, oder am Abend als Mojito mit frischer Minze oder als Canchanchara, mit Limonen, Rum und Honig.



Onkel Toms Hütte?

Links im Bild das angelieferte Zuckerrohr, rechts bereits abgeschält

Zuckerrohrfelder im Valle de los Ingenios

Wir genießen die Musikszene in Trinidad sehr, ebenso die aufgeschlossene Atmosphäre, das vielfältige Essen - das hatten wir uns notgedrungen auf Kuba schon ziemlich abgewöhnt - und natürlich das warme Wetter inklusive lauer Nächte.


Zwischen Trinidad und dem Meer: Lagunen voller Reiher im Abendlicht 


Mal wieder: Einfach sein - Momente des Glücks

Mit einem weiteren Tauchausflug klappt es leider nicht, aber dafür können wir mit einem Boot hinaus zum vorgelagerten Riff und nochmals Schnorcheln gehen. Die Unterwasserwelt, maritime Gärten aus einer Symbiose von Korallenstein, Planzenbewuchs und vielen, vielen Fischen, ist jedes Mal wieder wunderschön.



Und dann heißt es schon Abschied nehmen von Trinidad, diesem Highlight unserer Kuba-Impressionen. Der Weg führt uns weiter nach Osten längs durch die riesige kubanische Insel.


(von Jessica und Ronald)

Mittwoch, 10. Januar 2018

Busgeschichten

Was man über kubanische Busse so alles erzählen könnte...
Wir sind überland mit dem Viazul-Bus unterwegs, der ganz Kuba bedient, aber viele Strecken nur ein- oder zweimal täglich fährt und nicht selten auch schon ausgebucht ist. Einen Tag vorher das Ticket kaufen, dann zunächst Gepäck umständlich an einem Schalter einchecken, dann den altertümlichen, meist unleserlich-blassen Computerausdruck in ein Boardingticket umwandeln. Hoffentlich hast du kein falsches Datum drauf, das passiert oft, und dann ist Umtausch und Abreise schon ziemlich Glückssache. 30 Minuten vor Abfahrt wird wieder umständlich-gründlich ein Kofferanhänger ausgefüllt, per Hand natürlich, und dein Boardingticket (wobei Plätze irrelevant sind, ist freie Platzwahl) wird dann vom Busfahrer eingesammelt und lange in einen Haufen Zettel einsortiert, den er in der Hand hält; den Hintergrund dessen haben wir bisher nicht verstanden.



Die Toiletten im Bus sind immer geschlossen. In den Busbahnhöfen, wie auch sonst an vielen, vielen Orten im Land, sind die Zustände grausam: Meist kein Wasser zum Spülen, auch nicht zum Händewaschen. Mit Eimern und aus Wasserflaschen wird von oft alten Hutzelweiblein gespült. Die Absperrungen zwischen den Kabinen sind halbhoch mit saloonähnlichen Klapptüren, die meist nicht verschließbar sind. Einmal gibt es nicht mal Türen, es wird mir eine alte Blechplatte vorgestellt, nachdem ich drin bin... kein Wunder, wenn die Verdauung dann auch mal spinnt, bei so viel Gruselfaktoren auf einmal.

Im Bus erlebt man, wenn man vorn sitzt, was wir wegen Rons Anfälligkeit zu Reiseübelkeit meist tun, dann das tägliche Leben immer bestens mit: Der Busfahrer telefoniert, und eine Zeit später hält er auf offener Strecke an, steigt aus und holt scheinbar vorbestellte Einkäufe ab, die ihm schon eingetütet am Stand entgegengehalten werden. Noch etwas später hält er wiederum auf offener Strecke, steigt aus und bringt die Einkäufe in ein Haus. Dort wohnt er wohl... Ein anderes Mal nehmen wir zwischendurch eine ältere Dame ein Stück mit, die im Nirgendwo einsteigt und später wieder aussteigt - eine Verwandte, Bekannte, Nachbarin? Öffentliche Verkehrsmittel kann man hier zwar meist "downflaggen", also einfach heranwinken, aber der Viazulbus hält dann eigentlich nicht...

Zwischendurch eine Kaffeepause; der Busfahrer isst ein Sandwich, und wir freuen uns am Kaffee mit frisch geschnittenen Zuckerrohrstick, der gleichzeitig Rührlöffel und Süßungsmittel ist. Sehr praktisch, lecker und vermeidet Verpackungsmüll :-)


Dann überholt auf einmal ein Taxi und bremst den Bus aus, bis er anhalten muss. Heraus steigt eine asiatische Touristin, die dem erstaunten Busfahrer sagt, er wäre zu früh abgefahren, sie sei eine Minute nach acht an der Station gewesen (Abfahrzeit war tatsächlich 8 Uhr),und sie möchte nun noch mit. Der Taxifahrer hat in weiser Voraussicht vor dem Donnerwetter des Fahrers inzwischen schnell die Flucht ergriffen. Nach dem großen Gepolter des bass erstaunten Fahrers ist dieser dann aber gnädig. Sie darf einsteigen.

Russian Truck: Viele Kubaner werden mit alten russischen LKWs transportiert, in denen man hinten auf der Ladefläche steht oder sitzt, entweder open air, unter Plane oder auch mal mit Glasscheiben.

Oder so: Der schwarze Busfahrer palavert in afrikanisch-karibischer Lautstärke endlos mit dem Co-Fahrer. Es dröhnt durch den ganzen Bus, und er selbst lacht stets am lautesten über seine Geschichten. Das wiederum ist so ansteckend, dass ich einfach mitlachen muss, bis mir die Tränen nur so herunterlaufen, obwohl ich nicht mal verstehe, worum es geht. Lachen ist gesund!

(von Jessica)

Freitag, 5. Januar 2018

Wir tauchen ab ins neue Jahr - mit Piranha-Effekt!

Immer noch in Varadero - denn hier gibt es eine Tauchschule, und einen Basistauchkurs mit Zertifikat zu machen, den sogenannten Open-Water-Schein, stand schon länger auf unserem Wunschzettel. Auf Utila in Honduras war es dann ja schwierig, und nun ist es soweit.
Am 1. Januar haben wir die Einführung in die Apparaturen und deren Handhabung im Pool, Dienstag ist Theorie und Mittwoch geht es für zwei Tauchgänge in die aus der kubanischen Geschichte bekannte "Schweinebucht", bay of pigs oder bahia de cochinos, wo 1961 eine Invasion stattfand, die von den USA initiert war, um Fidel Castro zu stürzen, was aber innerhalb von 72 Stunden scheiterte. Seitdem ist Kuba ohne Amis, von Guantanamo abgesehen, aber das ist, wie so oft, einen andere Geschichte für ein anderes Mal...

Wir sind mit 23 Tauchern und fünf Instruktoren unterwegs, Ron und ich haben aber unseren Instructor für uns allein, da wir das erste Mal im open water sind. Zwei Tauchgänge von je 35 Minuten, noch nicht tief, auf etwa 3 Meter, aber mit all dem Üben, das unter Wasser so dran ist: Ohren per Nasendruck ausblasen, damit kein Unterdruckschmerz einsetzt - das ist bei mir ein heikler Punkt - Maske abnehmen und reinigen/ausblasen, Mundregulator abnehmen und wieder einsetzen, dazu, und das ist das Kniffeligste, die Schwerelosigkeit herstellen, ein Spiel von Auf- und Ablassen der luftgefüllten Weste und vor allem des Atemstroms in dir. Tief einatmen füllt dich mit Luft und stellt Auftrieb her, tief Ausatmen lässt dich absinken, allerdings einige Sekunden zeitversetzt, was das Ganze noch spezieller macht. Ideal ist es, wenn du das Spiel deines Atems so beherrscht, dass du die Schwerelosigkeit als pemanenten Balancezustand erreichst, was aber Übung erfordert. Danach kann man die tolle Unterwasserwelt erst so richtig genießen, da man die Techniken beherrscht.

Am ersten Abend bin ich ziemlich happy, da ich das Gefühl habe, mich einer ganz neuen Herausforderung gestellt zu haben, die fürs Erste auch gelungen ist. Das sind Momente, die einen sehr erfüllen können. Aber der Respekt vor der Sache war und ist groß. Ist ein ganz schöner Paukenschlag ins neue Jahr. Na ja, aber man will ja was erleben, also, munter weiter!

(von Jessica)









Auch für die nächsten und letzten beiden Tauchgänge im offenen Meer fahren wir an die Schweinebucht, allerdings zu einem anderen Strand. Dabei durchqueren wir die Insel von Nord nach Süd, wobei wir aus dem Busfenster heraus Eindrücke des ländlichen, nicht touristischen Kuba sammeln, die das Bild eines einfachen Lebens in einer sehr gepflegten Landschaft vermitteln. Wir sehen Kulturland mit weiten Anbaugebieten der verschiedensten Feldfrüchte und fragen uns wieder, wo wohl alle diese Früchte landen.






Das Wetter ist tatsächlich ganz anders als auf der nur 100 Kilometer entfernten anderen Seite, wo wir bei starker Bewölkung, heftigem Wind und einem aufgewühlten Meer gestartet sind. Bei einer Temperatur um die 20 Grad bläst der Wind in unser Zimmer, das keine Scheiben hat, wie die wenigstens Häuser hier, sondern verstellbare Lamellen, die nur mehr oder weniger dicht sind und lässt uns frieren (und an die Ostsee denken). An der Südseite scheint die Sonne, es ist 28 Grad warm, das Meer schaukelt zwar ein wenig, aber es gibt keine Strömung.



Wo wir jetzt den fünften Tag mit Tauchen beschäftigt sind, haben wir die Mitarbeiter schon etwas besser kennen gelernt, als es bei einem eintägigen Fun-Dive möglich wäre, bis hin zum zigarrerauchenden, tauchbegeisterten Busfahrer Carlos, der, kaum am Tauchspot angekommen, seine Uniform gegen den Tauchanzug austauscht.


Unser erster Tauchgang an diesem Tag soll nur Spaß machen, sagt Ahmed, und bringt uns hinunter auf fast 10 Meter. Es gelingt schon wesentlich besser, sich auf die Unterwasserwelt einzulassen, Korallen, Fische und auch ein kleines Schiffswrack zu bestaunen. 
Der zweite Tauchgang, bei dem wir einige Übungen zur Hilfestellung in nicht allzugroßer Tiefe absolvieren sollen, hält ein besonderes Erlebnis bereit. Wir sind recht bald von hübschen, weiß- gelb gestreiften, etwa karpfengroßen Fischen umgeben, die mit uns schwimmen und nur wenig Scheu zeigen. Wir sind gerade mitten in einer Übung, bei der ich Ahmed mit meinem Octopus (Reserveatemgerät) Luft geben soll, als ich einen Biss im rechten Ohr spüre. Aus der Wolke des uns umgebenden Schwarms wollen immer mehr an der Mahlzeit teilnehmen und alle haben sich mein Ohr als Leckerbissen auserkoren. Durch den Schmerz etwas konzentrations- und auch hilflos, braucht es einige Zeit, bis ich Ahmed die Situation begreiflich mache und wir gemeinsam auftauchen. Mein Ohr zieht eine Blutspur hinter sich her (gut, dass es hier keine Haie gibt), doch nach kurzer Inspektion und Stillung der Blutung durch  das Salzwasser ging es wieder hinunter, wo meine neuen Freunde allerdings schon warten, um ihr Mahl zu beenden. Die Ohren mit den Händen schützend legen wir eine Strecke zurück, bis wir sie hinter uns gelassen haben und unsere letzten Übungen ungestört, wenn auch etwas irritiert zu beenden. 

Was in sie gefahren ist, kann sich auch Ahmed nicht erklären, er vermutet, die Fische werden hier so oft gefüttert, dass sie von Menschen auch zu fressen haben wollen.

Mein Ohr schmerzt, sieht jedoch nicht wirklich schlimm aus und weit stärker ist die Freude, die wir angesichts unseres ersten Tauchscheins empfinden, den wir am Abend nach unserer Rückkehr ausgehändigt bekommen. 

Wir wollten in diesem Jahr ja Neues kennen lernen, Länder, Kulturen, Erfahrungen. Das Tauchen ist dabei ein starker neuer Eindruck, den wir hoffentlich im nächsten halben Jahr noch etwas ausbauen können.

(von Ronald)